Ein Beispiel aus Dresden, das für die meisten Städte gelten dürfte: Seit den geänderten Hartz-IV-Gesetzen sind laut der Wohnungslosenhilfestelle des Diakonischen Werkes in Dresden immer mehr junge Menschen von Obdachlosigkeit betroffen. Ein Grund hierfür sind die verschärften Sanktionen gegenüber jungen Menschen unter 25 Jahre, sagt Michael Schulz, Leiter der Einrichtung.
Im Jahr 2011 war jeder Dritte Ratsuchende in der Beratungsstelle Dresden unter 25 Jahre alt. „Mit 1025 Hilfesuchenden wurden so viele Menschen wie noch nie beraten“, sagt Schulz. Der Anteil der Frauen stieg auf 41,6 Prozent. 481 der Ratsuchenden hatten keine eigene Wohnung, 306 waren von Wohnungslosigkeit bedroht und 73 junge Menschen lebten bereits auf der Straße. „Wir beobachten seit Jahren eine Verschiebung in den Altersgruppen“, erklärte der Sozialarbeiter.
Immer mehr Jugendliche betroffen
Waren früher vor allem sogenannte „Verlierer der Wende“ zwischen 40 und 50 Jahre häufig zu Gast in der Beratungsstelle, sind es heute vermehrt junge Menschen unter 25. Bereits jeder Dritte gehöre dieser Altersgruppe an, sagt Schulz. Die Behörden können bereits bei einem kleinen Vergehen die kompletten Zahlungen einstellen. Am Ende kann die Miete nicht mehr gezahlt werden. Anderen jungen Menschen verweigert das Jobcenter den Auszug aus dem elterlichen Haushalt, obwohl die Familienverhältnisse zerrüttet und desolat sind. Wer trotzdem vor dem Elend flüchtet, bekommt keine Unterstützung und steht mit leeren Händen da. Laut SGB II müssen Erwerbslose unter 25 bei den Eltern wohnen.
Seit 2004 sind die Beratungsfallzahlen um eine Drittel auf heute 2340 gestiegen. Ein Drittel der Klienten waren Frauen, dreizehn Prozent lebten auf der Straße in Zelten, Wartehäuschen oder leer stehenden Häusern. Die häufigsten Gründe für eine Obdachlosigkeit waren Trennungen, Scheidungen und sich häufende Mietschulden.
Quelle: gegen-hartz.de
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