Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes müssen 560.000 Menschen trotz einer Arbeitsstelle ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken, um nicht unter das Existenzminimum zu fallen.
Der Arbeitsmarktexperte des DGB, Wilhelm Adamy, erklärte gegenüber der Zeitung „Junge Welt“, dass der Niedriglohnsektor in Deutschland massiv gewachsen sei. Allerdings sei die Zahl bei den betroffenen Vollzeitbeschäftigten leicht zurückgegangen, da es gelungen sei, in 11 Branchen einen Mindestlohn durchzusetzen. „Für die Familien gibt es einen Kinderzuschlag, der die Hartz-IV-Bedürftigkeit mitunter verhindert.“ In ganz Deutschland müssen immerhin 2,5 Prozent aller Arbeitnehmer ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken.
Insbesondere sind Branchen betroffen, die im Binnengewerbe tätig sind, wie beispielsweise im Handel oder Dienstleistungssektor. „Im Gaststättengewerbe müssen rund acht Prozent noch von Hartz IV leben. Etwa jeder zehnte Leiharbeiter musste 2010 staatliche Unterstützung beantragen,“ so Adamy.
Laut Studie hat rund die Hälfte der erwerbstätigen Hartz-IV-Bezieher nicht mehr als 6,50 Euro in der Stunde erhalten, jeder vierte weniger als 5 Euro. Gravierende Unterschiede bestehen auch bei Männern und Frauen: Männer bekamen durchschnittlich 7,30 Euro (Ostdeutschland 6,70 Euro), Frauen erhielten nur sechs, im Osten nur 5,60 Euro (Erhebungen 2008/2009). Laut DGB subventioniert der Staat die Aufstockung mit jährlich vier Milliarden Euro. Steuergelder für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht gerecht entlohnen.
Quelle: gegen-hartz.de