Arbeitslosigkeit steigt weltweit

30. April 2012

Die Lage auf den Arbeitsmärkten in den meisten Staaten der Welt ist der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge alarmierend. Die Sparpakete der Regierungen und Reformen des Arbeitsmarkts hätten nicht zur Schaffung neuer Stellen geführt, teilte die Sonderorganisation der Vereinten Nationen in ihrem Weltarbeitsbericht 2012 mit. Ende 2011 seien weltweit 196 Millionen Menschen arbeitslos gewesen, Ende 2012 werden es laut ILO 202 Millionen sein. Im Vergleich zum Vorkrisenstand gebe es inzwischen ungefähr 50 Millionen Arbeitsplätze weniger als 2008.

Besorgnis in Europa
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung nach Darstellung der ILO in Europa. In fast zwei Dritteln der Länder sei die Zahl der Arbeitslosen seit 2010 gestiegen. Die Beschäftigung werde dort nicht vor Ende 2016 wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen. Bisher hatte die ILO dies bis Ende 2014 erwartet.

Die Fokussierung vieler Euro-Staaten auf Sparmaßnahmen verschärfe die Arbeitsplatz-Krise, kritisierte ILO-Institutsleiter Raymond Torres. Der Sparkurs könnte sogar zu einer neuen Rezession in Europa führen.

Vier Jahre nach Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise werde das Ungleichgewicht immer struktureller und damit schwerer zu überwinden, folgert die ILO. So seien Langzeitarbeitslose gefährdet, den Anschluss an den Arbeitsmarkt endgültig zu verlieren. Sie würden auch dann keine neuen Stellen bekommen, wenn sich die Wirtschaft grundlegend erhole.

Jugendarbeitslosigkeit steigt
40 Prozent der Arbeitslosen in den entwickelten Ländern im Alter zwischen 25 und 49 Jahren hätten bereits seit mehr als einem Jahr keinen Job mehr, erklärte die ILO. Vor allem unter den jungen Erwachsenen habe sich die Zahl der Arbeitslosen stark erhöht. In vier von fünf entwickelten Staaten und in zwei Dritteln der Entwicklungsländer sei die Jugendarbeitslosigkeit gestiegen.

Für Deutschland zieht die ILO eine gemischte Bilanz. Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich dagegen positiv entwickelt. Neben Luxemburg, Österreich, Polen, Israel und Malta ist Deutschland eines der sechs von 36 entwickelten Ländern, in denen die Beschäftigungsrate seit 2007 gestiegen ist. Allerdings sei der “hohe Anteil von Beziehern von Niedriglöhnen und von atypischer Beschäftigung wie Minijobs oder Leiharbeit” ein Problem. Zudem lägen die Investitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt immer noch unter ihrem Vorkrisenniveau.

Quelle: tagesschau.de


Kein Hartz-IV für EU-Zuwanderer

10. März 2012

Erst schottet sich Europa gegen Flüchtlinge aus der dritten Welt ab und lässt sie im  Mittelmeer ersaufen – jetzt schottet sich Deutschland gegen Armutsflüchtlinge aus Europa ab. Unsere Banken und Konzerne plündern die Welt aus, und die dadurch entstandene Armut soll bleiben, wo sie ist. Zuwanderer aus EU-Staaten sollen jedenfalls künftig keine Hartz-IV-Leistungen mehr bekommen.

Eine Sonderregelung für Zuwanderer aus südeuropäischen Ländern wie Griechenland und Portugal, die entsprechende Sozialleistungen vorsieht, will das Bundesarbeitsministerium kippen. Diese Pläne der Bundesregierung hatte die “Frankfurter Rundschau” öffentlich gemacht. Demnach soll wegen der steigenden Arbeitslosigkeit in einigen südeuropäischen Ländern der Zuzug arbeitsuchender EU-Bürger nach Deutschland erschwert werden.

Die Bundesregierung rechne offenbar mit Armutswanderungen in Europa, vermutete der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider. “Sie schließt hierzu die Grenzen zu unseren Sozialsystemen”, sagte er der “Saarbrücker Zeitung”. Das sei “ein europa- und sozialpolitisch geradezu fatales Signal”.


Griechenland – und wir

29. Februar 2012

Könnt ihr das Gequatsche über Griechenland auch nicht mehr hören? Hier ein Text, der die Situation abseits der allgemeinen Verblödungspropaganda gut auf den Punkt bringt. Auszug:

“Das Ziel dieser Operation kann gar nicht die „Rettung“ Griechenlands sein: in diesem Punkt sind sich alle Wirtschaftswissenschaftler einig, die überhaupt diesen Namen verdient haben. Es geht darum Zeit zu gewinnen, um die Gläubiger zu retten, während zugleich das Land in einen zeitverschobenen Konkurs getrieben wird. Und es geht vor allem darum, aus Griechenland – mit der aktiven Kollaboration seiner herrschenden Klasse – das Laboratorium einer gesellschaftlichen Veränderung zu machen, die dann in einem zweiten Schritt auf ganz Europa verallgemeinert werden wird. Das auf dem Rücken der Griechen experimentierte Modell ist das einer Gesellschaft ohne öffentliche Dienste, in der die Schulen, die Kliniken und die Abgabestellen für Medikamente zu Ruinen verfallen, in der Gesundheit zu einem Privileg der Reichen wird und in der die besonders verwundbaren Bevölkerungsteile zu einer planmäßigen Eliminierung bestimmt sind, während jene, die noch Arbeit haben, zu extremen Formen der Verarmung und der Prekarität verurteilt werden.”

Der komplette Text steht hier.

Wer etwas dagegen tun will:
Für den 31. März ruft ein breites Bündnis linker Gruppen und anarchosyndikalistischer Basisgewerkschaften aus Griechenland, Polen, Spanien, Belgien, Italien, Niederlande, Österreich und Deutschland zur Blockade der EZB auf. Mehr Infos dazu gibt es hier.


Mehr Millionäre

24. Juni 2011

Nach der Finanzkrise ist die Zahl der Dollar-Millionäre in der Welt auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Im vergangenen Jahr besaßen 10,9 Millionen Menschen mehr als eine Million US-Dollar an Geldvermögen. Das ergab eine Studie der Vermögensverwaltung Merrill Lynch und der Beratungsgesellschaft Capgemini. Die Studie berücksichtigt Menschen, die mehr als eine Million Dollar (rund 700.000 Euro) Finanzvermögen haben. Werte wie Immobilien, Luxusautos oder Kunstschätze bleiben außen vor. Die Zahl der Personen mit frei verfügbaren Vermögen von mindestens einer Million Dollar erhöhte sich auf 10,9 Millionen von 10,0 Millionen im Vorjahr.

Dabei wuchs nicht nur die Zahl der Millionäre, sondern auch ihr Vermögen. Weltweit stiegen die Vermögen der Reichen 2010 um fast zehn Prozent auf den Rekordwert von 42,7 Billionen Dollar. Damit übertrafen die Vermögen den vor der Krise 2007 erreichten Spitzenwert von 40,7 Billionen Dollar.

Erstmals gab es mehr Millionäre in Asien als in Europa. Asien liegt damit nur noch leicht hinter Nordamerika. Im Ranking der einzelnen Länder behauptete Deutschland Rang drei hinter Japan und den USA. Hierzulande gab es im vergangenen Jahr 924.000 Geld-Millionäre. Das ist ein Plus von 7,2 Prozent.

Laut der Statistik verfügen die Reichen über ein Vermögen von 42,7 Billionen Dollar, etwa 30 Billionen Euro. Das ist etwa zwölfmal so viel wie die gesamte Wirtschaftskraft Deutschlands im vergangenen Jahr.

Quelle: tagesschau.de


USA: Hunger vor der Haustür

14. Februar 2010

Report der US-Organisation Feeding America:
“Der Hunger existiert vor unserer Haustür”

Die Krise hat die Armut in den USA vergrößert, Hunger wird verstärkt zum Problem. Jeder achte US-Bürger sei auf Lebensmittelhilfe angewiesen, heißt es im Hunger-Report 2010. An Essensausgaben warten neben den Obdachlosen immer mehr Menschen, die einen Job haben, von dem sie nicht leben können.

Es ist Mittagszeit bei “SOME”, der Hilfsorganisation “So Others Might Eat” in Nordwest-Washington. Don Dickson, der Chef der Suppenküche, sagt, dass Menschen aus den verschiedensten Stadtteilen zur Essensausgabe kommen. Jeden Tag werden 800 bis tausend Portionen Essen ausgegeben. Es sind mehr geworden in den letzten anderthalb, zwei Jahren. Es kommen viele “working poor”, sagt Dickson. Menschen, die zwar Jobs haben, aber so schlecht bezahlt würden, dass nie genug Geld da ist, um für den ganzen Monat Essen zu kaufen.

Aus einer Lagerhalle im Nordosten der Stadt, von der “Food Bank D.C.” kommen die Lebensmittel für “SOME”. In großen Regalen liegen dicke Säcke mit Kartoffeln und Möhren, Paletten mit Thunfisch-Dosen und Erdnussbutter-Gläsern. Im letzten Jahr stieg die Nachfrage nach Nahrungsmittelhilfe um 25 Prozent, sagt Shamia Holloway von der “Food Bank”.

“Beim Stichwort ‘Hunger’ denken die meisten Leute an Dritte-Welt-Länder, aber er existiert direkt hier vor unserer Haustür”, sagt Holloway. Im neusten “Hunger-Report” der landesweit größten Hilfsorganisation “Feeding America” steht, dass jeder achte Amerikaner im letzten Jahr auf Lebensmittelhilfe angewiesen war. In der Hauptstadt Washington gilt inzwischen fast jedes dritte Kind als arm.

Quelle: tagesschau.de