Sklavenmarkt abgesagt

26. April 2012

Am 26. April sollte der „Aktionstag 50plus“ in der Stadthalle im hessischen Bad Schwalbach stattfinden. Hartz IV-Bezieher über dem 50. Lebensjahr sollten sich regionalen Zeitarbeitsfirmen in Businesskleidung mit Bewerbungsmappen „präsentieren“. Bei Nichterscheinen drohten Sanktionen in Form von Leistungskürzungen. Aus Angst vor Protesten haben die Veranstalter nun den als „Hessischen Sklavenmarkt“ kritisierten Aktionstag abgesagt.

„Durch die angekündigte Demonstration kann weder die Sicherheit, noch die Anonymität der eingeladenen Langzeitarbeitslosen gewährleistet werden“, beschwert sich das zuständige Jobcenter in einer Pressemitteilung. In einer solch „aufgeheizten Stimmung“ wolle man keine Vorstellungsgespräche durchführen.

Rainer W. Monzheimer, Vorsitzender der Wiesbadener Initiative für soziale Gerechtigkeit, sieht in dem Bemühen des Jobcenters keine wirkliche Hilfe für Hartz IV-Bezieher. Zu der Veranstaltung wurden nämlich keine normalen Arbeitgeber eingeladen, sondern nur Leiharbeitsfirmen. Nach Meinung des Aktivisten ging es der Behörde darum, ältere Erwerbslos ausschließlich an Zeitarbeitsfirmen zu vermitteln, und das „zu Spottpreisen“. Die angebotenen Stellen seien überhaupt nicht so ausgelegt gewesen, dass Vermittelte von ihrem Lohn hätten leben können. Vielmehr hätten die meisten weiterhin aufstockende Hartz IV-Leistungen erhalten müssen.

Wer zudem nicht in dem geforderten Geschäftsoutfit erscheinen oder sich nach Meinung der Zeitarbeitsfirmen „nicht angemessen verhalten“ hätte, hätte dem Fallmanager gemeldet werden sollen. Das bedeutet, nicht nur das „Nichterscheinen“, sondern auch „Benehmen und das Erscheinungsbild“ bei Nichtgefallen hätte sanktioniert werden können.

Quelle: gegen-hartz.de


OECD: Ungleichheit in Deutschland wächst

5. Dezember 2011

Die Gesellschaft driftet weiter auseinander. Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher. Zu diesem Schluss kommt die neue Studie der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD).

Die Ungleichheit ist vor allem in Deutschland gewachsen. Die Gutverdienenden bekommen hier im Schnitt etwa acht Mal so viel Geld wie die Geringverdiener. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Leute nur noch im Niedriglohnsektor Jobs finden. Selbst dort können sie weniger arbeiten und verdienen als früher.

Dazu kommt, dass immer mehr Menschen in Teilzeitbeschäftigungen arbeiten. Vor allem Frauen haben dadurch zwar Zugang zum Arbeitsmarkt, was die OECD positiv beurteilt. Gleichzeitig können sie aber in Deutschland wegen unzureichender Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oft nicht in die Vollzeit-Jobs aufsteigen, die bessere Karrierechancen und Einkommensmöglichkeiten bieten würden. Dies ist auch ein Problem für die zunehmenden Haushalte mit alleinerziehenden Elternteilen.

Die Organisation rät, auf keinen Fall trotz Krise bei der Ausbildung zu sparen. Nur gute Bildung, von Kindheit an bis hin zur Weiterbildung im Berufsleben, bringe der Bevölkerung auf Dauer gute Jobs und Einkommen. Queisser sagt: “Wir haben gesehen, dass dieser Faktor der einzige war, der sowohl die Beschäftigung erhöhen konnte, als auch weniger Einkommensungleichheit schaffen konnte.”

Quelle: tagesschau.de


BRD: Niedriglohnsektor boomt

6. September 2011

Nach Berechnungen des Instituts Arbeit und Qualifikation, des Statistischen Bundesamtes sowie der Bundesagentur für Arbeit arbeiten derzeit rund 2,1 Millionen Menschen in Jobs, in denen sie weniger als 6 Euro brutto in der Stunde verdienen. Die Hälfte der Geringverdiener arbeiten für 5 Euro je Stunde. 70 Prozent der Betroffenen haben eine Ausbildung oder ein Studium absolviert. Nirgendwo sonst in Europa müssen so viele Menschen für so wenig Geld arbeiten.

Zur Ausbreitung des Niedriglohnsektors tragen vor allem die Zeitarbeitsbranche und die Minijobs bei. 80 Prozent der Minijobber haben sehr niedrige Stundensätze. Bei den Zeitarbeitern sind es gut 77 Prozent. „Vor allem im Dienstleistungsbereich ist die Tarifbindung gering. Daran konnten auch die branchenbezogenen Mindestlöhne, die es inzwischen für 10 Branchen gibt nichts ändern“, sagte ein Sprecher des DGB.

Hartz IV-Bezieher müssen jeden Job bis zu 30 Prozent unter dem Tariflohn annehmen, sonst drohen Kürzungen des Arbeitslosengeldes. 30 Prozent Abzug von tariflicher oder ortsüblicher Bezahlung bedeutet in manchen Regionen einen Stundenlohn von weniger als 3 Euro.


Mehr Zeitarbeit

19. Juli 2011

Vom Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt profitiert in erster Linie die Zeitarbeitsbranche. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der abhängig Beschäftigten in Deutschland um 322.000 auf 30,9 Millionen. Von diesen neuen Jobs entfielen 182.000 und damit 57 Prozent auf Leiharbeiter. Mit einer Gesamtzahl von 742.000 Zeitarbeitern wurde damit ein neuer Rekordwert für den deutschen Arbeitsmarkt erreicht, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Der enorme Anstieg um 32,5 Prozent binnen eines Jahres hatte den Angaben zufolge auch damit zu tun, dass im im Zuge des Rezessionsjahres 2009 vor allem Jobs in der Zeitarbeitsbranche weggefallen waren und viele Unternehmen sich zunächst von Leiharbeitern getrennt hatten. Dennoch lag die Zahl im vergangenen Jahr auch noch erheblich über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2008. Die Statistiker erklärten, dass die Unternehmen vor allem auf Zeitarbeit und befristete Verträge setzten, “um flexibel auf die konjunkturellen Veränderungen zu reagieren”.

Im Gegensatz zum starken Aufschwung in der Zeitarbeitsbranche entstanden nur vergleichsweise wenig “normale Arbeitsplätze”, nämlich 79.000. Denn am gesamten Zuwachs der Jobs hatten die sogenannten atypisch Beschäftigten einen Anteil von mehr als 75 Prozent. Neben den Zeitarbeitern umfasst diese Gruppe auch Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen, Teilzeitjobs mit weniger als 20 Stunden pro Woche sowie geringfügig Beschäftigte wie Mini-Jobber. Die Zahl dieser atypisch Beschäftigten stieg im vergangenen Jahr um 243.000 auf 7,84 Millionen.

Quelle: tagesschau.de


Leiharbeit: Unsichere Jobs

16. Juni 2011

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB der Bundesagentur für Arbeit halten in der Mehrheit die vermittelten Arbeitsverhältnisse kaum mehr als ein Jahr. Die meisten Jobs sind derart schlecht bezahlt, so dass viele aufstockende Hartz IV Leistungen beantragen müssen.

Laut der IAB werden ein Fünftel der Menschen in die Zeitarbeit vermittelt. Das allein birgt das Risiko der Kurzzeitbeschäftigung, weil Leiharbeiter oft nach einigen Monaten entlassen werden, wenn beispielsweise ein Großauftrag beendet wurde. Eine Mehrheit der Vermittelten kehrt daher wieder zurück in den vollständigen Arbeitslosengeld II Bezug.

Die IAB stellte in ihrer Studie fest, dass die meisten Hartz IV-Bezieher sich überaus engagiert um eine Arbeitsstelle bemühen. Im Jahr 2008 haben demnach mehr als 1,1 Millionen einmal oder mehrmals eine sozialversicherungspflichtige Stelle angenommen. In rund 70 Prozent der angenommenen Tätigkeiten lag eine Vollzeitbeschäftigung vor. Allerdings reichte das erzielte Einkommen in vielen Fällen nicht aus, um das Existenzminimum zu wahren.

Nur 50 Prozent der Leistungsbezieher konnten von ihrem Lohn ohne Sozialleistungen leben. Während zwei Drittel der Alleinstehenden von ihren Lohn ohne Hartz IV Leistungen leben konnten, mussten zwei Drittel der Alleinerziehenden und Elternpaare mit Kindern trotz Arbeit zusätzliche ALG II Leistungen beantragen.

Quelle: gegen-hartz.de