Am 26. April sollte der „Aktionstag 50plus“ in der Stadthalle im hessischen Bad Schwalbach stattfinden. Hartz IV-Bezieher über dem 50. Lebensjahr sollten sich regionalen Zeitarbeitsfirmen in Businesskleidung mit Bewerbungsmappen „präsentieren“. Bei Nichterscheinen drohten Sanktionen in Form von Leistungskürzungen. Aus Angst vor Protesten haben die Veranstalter nun den als „Hessischen Sklavenmarkt“ kritisierten Aktionstag abgesagt.
„Durch die angekündigte Demonstration kann weder die Sicherheit, noch die Anonymität der eingeladenen Langzeitarbeitslosen gewährleistet werden“, beschwert sich das zuständige Jobcenter in einer Pressemitteilung. In einer solch „aufgeheizten Stimmung“ wolle man keine Vorstellungsgespräche durchführen.
Rainer W. Monzheimer, Vorsitzender der Wiesbadener Initiative für soziale Gerechtigkeit, sieht in dem Bemühen des Jobcenters keine wirkliche Hilfe für Hartz IV-Bezieher. Zu der Veranstaltung wurden nämlich keine normalen Arbeitgeber eingeladen, sondern nur Leiharbeitsfirmen. Nach Meinung des Aktivisten ging es der Behörde darum, ältere Erwerbslos ausschließlich an Zeitarbeitsfirmen zu vermitteln, und das „zu Spottpreisen“. Die angebotenen Stellen seien überhaupt nicht so ausgelegt gewesen, dass Vermittelte von ihrem Lohn hätten leben können. Vielmehr hätten die meisten weiterhin aufstockende Hartz IV-Leistungen erhalten müssen.
Wer zudem nicht in dem geforderten Geschäftsoutfit erscheinen oder sich nach Meinung der Zeitarbeitsfirmen „nicht angemessen verhalten“ hätte, hätte dem Fallmanager gemeldet werden sollen. Das bedeutet, nicht nur das „Nichterscheinen“, sondern auch „Benehmen und das Erscheinungsbild“ bei Nichtgefallen hätte sanktioniert werden können.
Quelle: gegen-hartz.de
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