Bensheimer Sozialpolitik

Im Bensheimer Hallenbad zahlt man 4,50 Euro Eintritt.  Für Schwerstbehinderte, Auszubildende, Schüler und Studenten sowie für Grundwehr- und Zivildienstleistende gelten ermäßigte Preise (2,50 Euro), für Arbeitslose nicht. Gerade ältere Arbeitslose müssen jedoch aufgrund von Rückenproblemen regelmäßig Sport treiben – u.a. schwimmen.

Also beschlossen die Bensheimer Stadtverordneten im Mai 2008, dass die Zehnerkarte, die normal 40,50 Euro kostet, Arbeitslosen wie den anderen Begünstigten für 22,50 abgegeben wird. Das ist insofern realitätsfremd, als ein Arbeitsloser laut Regelsatz pro Monat gerade mal 4,63 Euro pro Monat für Sport- und Freizeit zur Verfügung hat – er sich also auch diese günstigere Karte nicht leisten kann.

Wir haben Bürgermeister Thorsten Herrmann (CDU) darauf angesprochen, der sich allerdings nicht vorstellen konnte, dass ein Arbeitsloser nicht mal eben 22 Euro locker machen kann, weshalb er unseren Vorschlag, Arbeitslose grundsätzlich mit dem oben erwähnten ermäßigtem Personenkreis gleichzustellen, damit sie auch für 2,50 (oder als Weihnachtsgeschenk von Freunden mit einer ermäßigten Jahreskarte) ins Schwimmbad gehen können, ablehnte.

Daraufhin haben wir unsere Kritik in einer Presseerklärung formuliert, was uns eine E-Mail der SPD einbrachte, die – die Bürgermeisterwahl stand vor der Tür und die SPD hatte eine Kandidatin – für die Zeit nach der Wahl Interesse an einem Gespräch mit uns bekundete. Dass dieses Gespräch, als die Wahl vorüber war, nie stattfand, brauchen wir nicht extra zu erwähnen.

Als das Stadtparlament im März diesen Jahres dann die Erstellung eines Armutsberichts beschloss, wiesen wir darauf hin, dass es besser sei, Armut zu bekämpfen, statt statistisch zu erfassen und brachten als Beispiel das Problem Hallenbad. Das brachte uns den leibhaftigen Besuch zweier Politiker ein – einer von der SPD, der sich informieren wollte, aber trotz der bekommenen Informationen nichts geändert hat, und einer von den Freien Wählern, der sich nicht informieren sondern sich nur über den provokativen Ton unserer Presseerklärung beschweren wollte.

In diesem Monat schließlich haben wir bei den „Bürgern für Bensheim“ (Abspaltung der Grünen) angefragt, ob sie nicht einen Antrag bezüglich der Hallenbadpreise im Stadtparlament einbringen möchten. Antwort: Rasend wichtiges Thema, aber wir wollen erst grundsätzlich unsere Position zum Sozialpass und den darin erlaubten Vergünstigungen klären – also vielleicht im nächsten Jahr, oder im übernächsten, oder im überübernächsten …

Schweinerei am Rande: Um wenigstens die verbilligte Zehnerkarte in Anspruch nehmen zu können, muss man zuvor im Rathaus einen Sozialpass beantragen. Dann bekommt man den Sozialpass und eine mit Namen versehene Extrakarte für das Hallenbad, die man da abgeben muss – dafür bekommt man dann die vergünstigte Zehnerkarte. Nicht nur, dass durch den Namen auf der abgegeben Karte erfasst wird, welcher Sozialpassnutzer ins Hallenbad geht und wer nicht – man kann diese Zehnerkarte auch nur einmal im Jahr bekommen, also als Arbeitsloser noch nicht mal einmal im Monat ermäßigt schwimmen gehen. Womit die Grenze vom Geiz zur Schäbigkeit, wie eine Alleinerziehende es neulich definierte, eindeutig überschritten wäre.

1 Kommentar zu „Bensheimer Sozialpolitik“

  1. Der Artikel zeigt leider einmal mehr. Dass es für einen Arbeitsosen kaum möglich ist, am „normalen“ Leben teilzunehmen. Nicht nur, dass die aktive Teilnahme in einem Verein, einem Fitness-Studio oder anderem aufgrund der geringen Regelsätze verwehrt ist, selbst einfachste Besuche in einem öffentlichen Schwimmbad, wie in dem geschilderten Fall, bedrohen den monatlichen Etat eines ALG II Empfängers. Am besten, man macht überhaupt nichts, bleibt immer zu Hause, dann gerät man auch nicht in die Falle, sich etwas leisten zu müssen, was man sich gar nicht leisten kann. Und faktisch ist es tatsächlich so: H4 Empfänger findet man nicht: Weder im Kino, noch im Sport Verein, nach der Kürzung des Rgelesatzes in Sachen Alkhol und Zigartten auch keine mehr in der Kneipe. Das ist eine „saubere“ Lösung, denn wer will schon den sogenannten faulen Arbeitslosen irgendetwas gönnen, und sei es auch nur ein bisschen Kultur oder Sport ? Dabei ist es gerade für viele Langzeitarbeitslose wichtig, wieder einen geregelten Tagesablauf zu bekommen und wieder ein an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen, die nicht nur soziale Kontakte mit sich bringen, sondern auch die Fitness und Gesundheit erhalten, die gerade für diese Personengruppe besonders wichtig sind. Gerade Langzeitarbeitslose haben eine teils erschreckenden Umgang mit Ihrer eigenen Gesundheit. Viele leiden noch stärker an den Folgen der Arbeitslosigkeit, als ihre Kollegen, die einer regelmäßigen Tätigkeit nachgehen: Schlechte und unausgewogene Ernährung, teils mangelnde Bewegung, wenig soziale Kontakte, keine Teilnahme an soziokulturellen Angeboten. Viele dieser Menschen „verwahrlosen“ im wahrsten Sinne des Wortes. Mann kann eben nicht nur zu Hause sitzen, seinen Bewerbungstätigkeiten nachgehen und im übrigen nur warten, bis der Monat „rum“ ist. Auch diese Menschen möchte gerne „integriert“ sein, in einem Verein aktiv sein, schwimmen gehen, oder an Sportprogrammen teilnehmen. Durch die äußerst gering bemessenen Beiträge, die in den Regelsätzen vorgesehen sind, ist dies aber praktisch undmöglich! Für die Gesundheitspflege sind monatlich 13,88 Euro vorgessehen, also für alle Drogerie-Artikel wie Zahnpasta und Zahnbürste, Duschgel, Wasch- und Spülmittel, Spülschwämme, Deo, das ist alles etwas knapp bemessen, da bleibt nix für ein Deo mit „Geruch“, oder sogar einen Duft, also ein Parfum, irgendwas für die Pflege, Haut oder Haar, nichtmal ein Franzbranntwein ist drin, ein Haargel oder ein Hautpflegemittel. Es geht nur drum, was das nackte Überleben sicher und dass der Körper einigermaßen sauber ist. Wie nach dem Krieg, wo nichmal solche Dinge immer gewährleistet waren. Wo man tagelang in seinem eigenen Saft schmorte, wochenlang nicht duschen konnte, und regelrecht verrottete, verwahrloste. Aber leider ist das mit H4 Empfängern heute nich anders. Viele verwahrlosen in ihren Wohnungen, kommen nicht mehr weiter und leben in einer Mangelernährung und schlechter Körperpflege mit billigen Klamotten, die leider auch billig aussehen.

    Ein Schwimmbad Besuch wäre schon mal ein Lichtblick. Ein Luxus, den sich viele nicht leisten können, einen Tag sich erholen dürfen, etwas sportlich aktiv werden zu dürfen, wieder mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, raus aus der Einöde, wieder mal für ein paar Stunden eine Perspektive habe in dem sonst trostlosen Alltag. Wenn man dieses den Menschen auch noch verwehrt, dann hofft man wohl nur, dass die das Geld, dass man Ihnen „gibt“ nur dazu reicht, um das nackte Überleben zu sichern. Also Essen, bisschen Hygiene und das wars. So wie früher nach dem Krieg. Das was heutzutage üblich ist, also Musik hören, am PC arbeiten, 4-lagiges statt Recycling-Papier zu benutzen, Klamotten kaufen, mal ein Bierchen trinken, Tinte oder Toner für den Drucker oder Papier kaufen oder Porto kaufen für Bewerbigen mit Foto und Mappe, die man, wenn überhaupt, erste Monate später erstattet bekommt. Das Geld reicht aber nur ganz knapp, wenn man mal ein oder zwei Monate arbeitslos gemeldet ist. Wenn aber mal was kaputt geht, die Waschmaschine, Schuhe, irgendwas in der Wohnung usw. Dann reicht das Geld hinten und vorne nicht mehr. Man muss ständig betteln, bei Nachbarn, bei Freunden, bei Verwandten. Und das ist schon sehr demütigend und es kostet Kraft! Die Menschen, die alleine von H4 leben müsen, keine Familie haben, keine Freunde, die werden sterben, meist aufgrund von Nahrungsmangel, trotz der Tafel. Denn die Sterbensrate unter H4 Empfängern ist ungleich höher, als unter der arbeitenden Bevölkerung, wo wir wieder beim Ausspruch wären: Wer net schaffe geht, soll auch net esse!

    Und wer nett esse geht! der soll auch sterbe!

    Praktisch oder ? Die, die sowieo nix taugem und zum schaffe zu blöd sind, die solle doch alle wegsterbe. Dann wär das Problem doch auch irgendwie gelöst, oder net !?

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