Rentner mit weniger als 1000 Euro/Monat

Die Armut steigt auch unter Rentnern kontinuierlich an. Rund 5 Millionen Rentner müssen von weniger als 1000 Euro im Monat leben – insgesamt 28% der 17,6 Millionen Rentner 2021. Wie immer sind Frauen mit 38% besonders betroffen (Männer 15%). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Statistischen Bundesamtes.

In der Folge stieg auch die Zahl der Rentner, die trotz Rente noch arbeiten müssen. 13 Prozent (fast doppelt so viele wie vor 10 Jahren) der 65- bis unter 75-Jährigen gingen 2021 einer Beschäftigung nach. Besonders hoch war die Quote bei Rentnern mit Hochschulabschluss (20%), während er bei Personen ohne Berufsabschluss bei 10% lag.

Hohe Heizkosten? Jobcenter + Sozialamt zahlen

Was viele nicht wissen: Das Jobcenter und das Sozialamt übernehmen in bestimmten Fällen die Heizkosten nicht nur für Hartz IV-Bezieher oder Bezieher von Grundsicherung, sondern auch für Geringverdiener und Menschen mit niedriger Rente. Dazu müssen sie in dem Monat, in dem die Heizkostenabrechnung fällig wird, einen Antrag auf Hartz IV bei Jobcenter, beziehungsweise auf Grundsicherung beim Sozialamt stellen.

Voraussetzung dafür ist, dass man normalerweise so viel Geld verdient, dass man keinen Anspruch auf Hartz IV hat, oder die Rente so hoch ist, dass man keinen Anspruch auf Grundsicherung hat – aber in dem Monat, in dem die Abrechnung fällig wird, aufgrund der gestiegenen Heizkosten einen Anspruch auf Hartz IV, bzw. Grundsicherung, hätte.

Man erwirbt also quasi für einen Monat einen Anspruch auf Hartz IV, bzw. Grundsicherung (auch wenn man bislang noch nie solche Leistungen bezogen hat). In dem Monat übernehmen Jobcenter oder Sozialamt dann auch die Heizkosten. Wichtig ist, dass der Antrag spätestens in dem Monat gestellt wird, in dem die Abrechnung fällig wird, sonst erlischt der Anspruch. Wer es genau wissen will, findet auf der Tacheles-Website eine Beispielrechnung.

(Diese Information haben wir auch an den Bergsträßer Anzeiger und das Echo geschickt. Beide haben sie nicht veröffentlicht.)

678 Euro Regelsatz für Hartz IV

Ein armutsfester Regelsatz müsste nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle aktuell 678 Euro für einen alleinstehenden Erwachsenen betragen und damit um mehr als 50 Prozent höher liegen als die derzeit gewährten Leistungen in der Grundsicherung. Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert, dass der Regelsatz durch statistische Tricks willkürlich kleingerechnet wurde.

678-regelsatz

Die jüngste Anpassung zum 1.1.2022 um lediglich drei Euro auf aktuell 449 Euro gleiche nicht einmal die Preisentwicklung aus, führe damit sogar zu realen Kaufkraftverlusten und sei im Ergebnis verfassungswidrig. Der Paritätische appelliert an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, für eine bedarfsgerechte Anpassung der Regelsätze zu sorgen.

Kurzfristig fordert der Verband eine Soforthilfe für Menschen in der Grundsicherung von monatlich 100 Euro pro Person, um wenigstens die pandemiebedingten Mehrkosten und die Inflation auszugleichen.

Die Stellungnahme des Paritätischen in vollem Wortlaut gibt es hier.