Hungertod vermieden

Was Manager in schlechten Jahren verdienen. Hier die Liste der zehn bestbezahlten Vorstandschefs der DAX-Konzerne im Krisenjahr 2009:

Vorstandschef Konzern Gesamtvergütung
1. Josef Ackermann Deutsche Bank 9,55 Mio. Euro
2. Jürgen Großmann RWE 7,16 Mio. Euro
3. Peter Löscher Siemens 7,12 Mio. Euro
4. Léo Apotheker SAP 6,70 Mio. Euro
5. Martin Winterkorn Volkswagen 6,60 Mio. Euro
6. Wolfgang Reitzle Linde 6,22 Mio. Euro
7. Michael Diekmann Allianz 4,82 Mio. Euro
8. Wulf H. Bernotat E.ON 4,47 Mio. Euro
9. Frank Appel Deutsche Post 4,44 Mio. Euro
10. Dieter Zetsche Daimler 4,34 Mio. Euro

Billigjobs bei Caritas & Co

Edgar T. hat eigentlich einen ganz normalen Job. Er ist Schulbusfahrer beim Deutschen Roten Kreuz. Doch seine Bezahlung ist keineswegs normal: Denn Teile seines Lohnes bekommt er als steuer- und sozialabgabenfreie „Aufwandsentschädigung“ ausbezahlt – so etwas bekommt man normalerweise für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Ein Arrangement, auf das man bei den großen Wohlfahrtsverbänden durchaus häufiger trifft. Caritas, Malteser & Co bezahlen ihren Mitarbeitern offenbar immer wieder Teile des Lohns als „Aufwandsentschädigung“ nach der sogenannten „Übungsleiterfreibetrags-Regelung“. Diese steuer- und abgabenfreie Aufwandsentschädigung soll eigentlich die Motivation für das Ehrenamt stärken.

Viele Wohlfahrtsverbände nutzen diesen Freibetrag allerdings offenbar, um Kosten zu sparen. So bekommen Pflegehilftskräfte auf 400-Euro-Basis jeden Monat noch 175 Euro abgabenfrei obendrauf. Sie werden also für ein und dieselbe Tätigkeit zugleich als abhängig Beschäftigter bezahlt und als freiwilliger, ehrenamtlicher Helfer entschädigt.

Der Vorteil für die Arbeitgeber: Schon drei so beschäftigte Pfleger reichen aus, um eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle zu ersetzen. Ein attraktives Sparmodell für die Verbände, die die gesetzliche Förderung des Ehrenamtes nutzen, um ihre Sozialabgaben auf ein Minimum zu reduzieren. Alles legal, sagen die Wohlfahrtsverbände mit Verweis auf das Gesetz. Panorama über eine Gesetzeslücke, die Wohlfahrtsverbände für sich nutzen.

Einen Filmbericht darüber sendete das ARD-Magazin Panorama.

Null-Euro-Jobs

In mehr als 30 Edeka-Supermärkten in Süddeutschland, aber auch in Berlin und Dresden, sind in letzter Zeit Einpackhilfen mit gelben T-Shirts anzutreffen, die den Kunden beim Einpacken der Einkäufe helfen. Angestellt sind die Einpackhilfen nicht. Es handelt sich um Schüler und Studenten, die von der Agentur „Friendly Service“ vermittelt werden und weder vom Supermarkt, noch von der Agentur Lohn erhalten. Sie leben von den Trinkgeldern der Supermarktkunden. Ohne Urlaubsgeld, ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ohne Sozialversicherung.

Die Einpackhilfen sind nirgendwo angestellt, sondern „selbstständig“ und verfügen lediglich über einen Vermittlungsvertrag mit der Agentur. Für die Vermittlung erhält die Agentur von dem Supermarkt pro Person und Stunde drei bis fünf Euro.

Studentische Aushilfskräfte, die den Einsatz der Einpackhilfen auf 400-Euro-Basis organisieren, pflegen den Tagesverdienst jedes einzelnen Null-Euro-Jobbers in eine Datenbank ein. Einpackhilfen mit dem höchsten Trinkgeld und den meisten von den Teamleitern vergebenen Fleißsternchen für Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit werden in der Personaleinsatzplanung bevorzugt. Wer einmal wegbleibt, wird nicht mehr vermittelt.

Der Friendly-Service-Gründer und evangelische Theologe Martin Lettenmeier zielte mit seiner Agentur ursprünglich darauf ab, Hartz-IV-Empfänger im Kundenservice zu schulen und wieder in eine geregelte Arbeit zu vermitteln. Er war für sein Engagement in diesem Bereich 2006 mit dem Ideenpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet worden.