Mehr arme Senioren an der Bergstraße

Die Anzahl der Menschen, die im Landkreis Bergstraße neben ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind, ist in den vergangenen zehn Jahren um 39 Prozent gestiegen. Insgesamt 2123 Bezieher von „Alters-Hartz-IV“ zählte der Landkreis zuletzt. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) der Region Darmstadt und Mainz mit, die sich auf Angaben des Statistischen Landesamtes bezieht.

Gerade Frauen und Alleinerziehenden bleibe trotz vieler Arbeitsjahre der Gang zum Sozialamt häufig nicht erspart, erklärte NGG-Geschäftsführer Guido Noll. In den kommenden zwei Jahrzehnten wird das Armutsrisiko nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung besonders für die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre weiter steigen.

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Dekanate fordern KdU-Erhöhung

Die katholischen und evangelischen Dekanate haben in einem Rundschreiben an die Verantwortlichen des Kreises Bergstraße und des Eigenbetriebs „Neue Wege“ die Erhöhung der Mietobergrenzen (KdU) im Kreis Bergstraße gefordert. Dieses Schreiben wird auch von uns und zahlreichen anderen sozialen und karitativen Organisationen unterstützt.

Den kompletten Wortlauf findet ihr in dieser pdf-Datei.
Die aktuellen von „Neue Wege“ festgelegten Mietobergrenzen für den Kreis Bergstraße und ein Vergleich mit der  Wohngeldtabelle findet ihr hier.

Update 4.9.2017:

Heute kam die Antwort: „Die letzten Anpassungen erfolgten zum 01.10.2016 im Vergleichsraum Ried 1 und zum 01.01.2017 im Vergleichsraum Viernheim.“ Seitdem sind die Mieten bundesweit gestiegen – nur im Kreis Bergstraße nicht?

„Für die Folgejahre planen wir (…) die Erarbeitung eines neuen schlüssigen Konzeptes unter wissenschaftlicher Begleitung.“ Also ist das bisherige Konzept nicht schlüssig?

Dass Neue Wege an einem neuen Konzept arbeitet, hören wir seit Jahren in immer neuen Variationen. Rausgekommen ist dabei bislang – nichts. Das ist die Sozialpolitik von CDU, SPD, Grünen und Freien Wählern (die waren in wechselnden Koalitionen bislang für die Festlegung der Mietobergrenzen zuständig)

Den kompletten Antwortbrief könnt ihr hier nachlesen.

Jusos fordern KdU-Anpassung

Die Jusos Bergstraße fordern die Kreisspitze und speziell die zuständige Dezernentin Diana Stolz (CDU) in der Frage der Kosten der Unterkunft zum Handeln auf. „Bereits im September 2015 hat die Erwerbslosenorganisation Andere Wege im Gespräch mit uns auf die Dringlichkeit in dieser Frage hingewiesen. Passiert ist seitdem nichts. Das muss sich dringend ändern. Auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit von Bauvorhaben im Segment des bezahlbaren Wohnraumes“, unterstreichen die Jusos Bergstraße.

Im Rahmen der Hartz-Gesetzgebung ist festgelegt, dass im Falle des Kreises Bergstraße der Eigenbetrieb Neue Wege die Miete für Hartz-IV-Empfänger bis zu einer für jede einzelne Kommune festgelegten Obergrenze übernimmt. „Diese Obergrenze muss dringend angehoben werden. Es kann nicht sein, dass fast jede fünfte betroffene Familie aktuell aus dem für den täglichen Bedarf gedachten Hartz-IV-Satz von 409 Euro monatlich auch noch zusätzlich die Miete bezahlen muss. Das sollte in einem reichen Land wie Deutschland nicht vorkommen“, meint der SPD-Nachwuchs.

Daher müsse der Kreis schnellstmöglich die Obergrenzen den realen Mieten für eine Wohnung in angemessener Größe im Kreis anpassen: „Die Wohnraumsituation ist gerade durch fehlenden geförderten Wohnungsbau im ganzen Land sehr ernst. Fehlendes Angebot und steigende Nachfrage führen zu erhöhten Mieten. Da die Mietpreisbremse bei Neuvermietungen für unseren Kreis nicht gilt, ist neben einer Offensive im Bau von Wohnungen die Anpassung des KdU-Satzes unabdingbar“, schließen die Jusos. Weiterhin sei klar, dass der Bau von Wohnungen für einen Kaltmietpreis von beispielsweise 5,50 Euro pro Quadratmeter im Ried „nicht möglich sei, wenn alle Brandschutzbestimmungen erfüllt und Grunderwerbs- und Baukosten mit ins Kalkül eingeflossen sind. Wenn hier im Interesse der Baugenossenschaften und der Mieter nichts getan wird, wird das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage weiter bestehen“, mahnt die SPD-Arbeitsgemeinschaft.

Ebenso sei es wichtig, statt der Kaltmiete die Warmmiete als KdU zu behandeln. Ferner sei die Gebietseinteilung der KdU zu reformieren: „Lampertheim und Groß-Rohrheim werden mit dem gleichen Satz geführt, obwohl die Wohnungsmärkte und Mietpreise dort sehr unterschiedlich sind. Hier muss nachgebessert werden, wenn Langzeitarbeitslose nicht aus den Mittelzentren im Kreis herausgetrieben werden sollen.“