Immer weniger Vollzeitjobs

20. Mai 2015

Die Arbeitswelt verändert sich grundlegend und das zu einer Zeit, in der die globale Wirtschaft nicht genügend neue Arbeitsplätze schafft, heißt es gleich im ersten Satz des neuen Jahresberichts der internationalen Arbeitsorganisation ILO. Schon die weltweiten Arbeitslosenzahlen sind bedrückend. Mehr als 200 Millionen Menschen waren Ende 2014 ohne Job, 30 Millionen mehr als vor Beginn der globalen Finanzkrise 2008.

Doch die ILO betont in ihrem neusten Dokument einen anderen Trend: Die Arbeitsverhältnisse werden prekärer, Verträge über Vollzeitbeschäftigung nehmen ab, Teilzeitjobs und Kurzzeitarbeitsverhältnisse dagegen zu. Nicht einmal einer von vier Arbeitnehmern hat heute noch einen Arbeitsvertrag zum bisherigen Standardmodell. In Industriestaaten sinkt die Vollzeitbeschäftigung und in Entwicklungsländern gab es zwar Fortschritte, doch auch hier gibt es immer weniger Vollzeitstellen. Weniger als 40 Prozent der Erwerbstätigen mit Lohn oder Gehalt befinden sich in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, so ILO-Generaldirektor Ryder, und dieser Anteil sinkt weiter. Von diesem Trend sind Frauen einmal mehr am stärksten betroffen.

Die Alternativen für Jobsuchende lauten Teilzeitjobs, Kurzzeitverträge, unbezahlte Kinderarbeit – die ILO spricht von der informellen Wirtschaft, besser müsste man von prekären Arbeitsverhältnissen sprechen. Mit weniger oder gar keinem Kündigungsschutz, weniger Sozialleistungen und Bangen um den Arbeitsplatz.

Auch die Kosten dieses Trends sind besorgniserregend. Das Verschwinden von Vollzeitjobs führt zu weniger Kaufkraft der Arbeitnehmer, zu weniger Investitionen und zu Verlusten beim Steueraufkommen. Nach unseren Schätzungen summiert sich das auf einen Verlust von 3,7 Billionen Dollar, sagt ILO-Chef Ryder.

Quelle: tagesschau.de


Alternative Bewerbung

19. Mai 2015

Wir haben einen unterhaltsamen Beitrag von der Website “Aufgewachter” bekommen, den wir euch nicht vorenthalten möchten. Es ist eine Art alternative Stellenbewerbung und lautet wie folgt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

soeben erhalte ich von meinem Jobcenter einen Stelleninformationsvorschlag mit dem Zwang per Rechtsfolgenbelehrung mich bei Ihnen bewerben zu müssen, damit ich keine Leistungskürzung per Sanktionsbescheid erhalte.

Hiermit entschuldige ich mich bei Ihnen für diese Unannehmlichkeit.

Bitte teilen Sie meiner Fallmanagerin und meinem Rechtsanwalt innerhalb von drei Werktagen mit, ob Sie von dieser angebotenen Form der Zwangsarbeit profitieren wollen oder nicht, damit ggfs. mein Rechtsanwalt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßbourg meine Rechte als freier Mensch gegenüber Ihrer Firma einfordern kann.

Ich weise Sie schon jetzt darauf hin, daß vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßbourg erhebliche Kosten entstehen können. Für die eventuelle Übernahme entsprechender Gerichts- und Anwaltskosten erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Jobcenter.

Die aktuellen Gebühren- und Kostensätze des EUGH entnehmen Sie bitte hier

Sollten Sie von dem o.g. Angebot keine Verwendung machen, so betrachten Sie bitte dieses Schreiben als gegenstandslos.

Mit freundlichen Grüßen
-Der Aufgewachte-


Pfändungsfreibetrag erhöht

28. April 2015

Ab dem 1. Juli 2015 beträgt der monatlich unpfändbare Grundbetrag 1.073,88 Euro (bisher: 1.045,04 Euro). Dieser Betrag erhöht sich, wenn gesetzliche Unterhaltspflichten zu erfüllen sind, um monatlich 404,16 Euro (bisher: 393,30 Euro) für die erste und um monatlich jeweils weitere 225,17 Euro (bisher: 219,12 Euro) für die zweite bis fünfte Person. Wenn Schuldner mehr verdienen als den so ermittelten pfändungsfreien Betrag, verbleibt ihnen vom Mehrbetrag bis zu einer Obergrenze ebenfalls ein bestimmter Anteil.

Die genauen Beträge ergeben sich aus der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2015 (Bekanntmachung zu den §§ 850c und 850f der Zivilprozessordnung). Diese Grenzen gelten auch für Sozialeinkommen, sofern sie auf ein Pfändungschutzkonto gehen. Das möglicherweise über diesen Grenzen liegende pfändbare Einkommen wird nicht durch Substraktion der Freibeträge vom Einkommen ermittelt, sondern ausschließlich durch Anwendung der Tabelle des Bundesjustizministeriums; dadurch entsteht effektiv ein geringfügig höherer Freibetrag.

Quelle: gegen-hartz.de


Beschwerde über Fallmanager

9. März 2015

Wir haben einen Beschwerdebrief mit der Bitte um Veröffentlichung zugesendet bekommen. Wieder einmal spielt sich ein Fallmanager als Miniatur-Django auf und versucht, Leute einzuschüchtern. Auszüge daraus könnt ihr in dieser pdf-Datei lesen. Die Namen der Beschwerdeführerin und des Fallmanagers wurden mit ihren Anfangsbuchstaben abgekürzt.


Armut steigt weiter

20. Februar 2015

Von 2012 bis 2013 ist die Armut laut aktuellem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands um 0,5 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent der Bevölkerung gestiegen. Dies entspreche mehr als 12,5 Millionen Menschen. Die Statistik zeige einen klaren Trend zur Armutsverschärfung: Seit 2006 ist sie bundesweit um mehr als ein Zehntel gestiegen.

In den einzelnen Bundesländern fällt die Armutsquote unterschiedlich aus. In Bayern und Baden-Württemberg ist sie mit 11,3, bzw. 11,4 Prozent am geringsten. In Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin liegen die Quoten hingegen deutlich über 20 Prozent.

Bei der Berechnung der Armutsquoten werden im Bericht, wie in der EU üblich, Personen in Haushalten gezählt, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland beträgt. 2013 lag die so errechnete Armutsgefährdungsschwelle für einen Singlehaushalt bei 892 Euro.

Den kompletten Armutsbericht gibt es hier als pdf-Datei.

Quelle: tagesschau.de


3 Millionen arm trotz Arbeit

24. Januar 2015

Immer mehr Erwerbstätige können laut Statistischem Bundesamt kaum von ihrem Einkommen leben. Ende 2013 bezogen rund 3,1 Millionen von ihnen ein Einkommen, das unterhalb der Schwelle liegt, bei der offiziell die Armutsgefährdung beginnt. Im Jahr 2013 lag diese Grenze bei 979 Euro netto pro Monat für Alleinstehende und bei 2056 Euro im Monat für eine vierköpfige Familie.

Demnach ergaben Haushaltsbefragungen, dass 379.000 der armutsgefährdeten Erwerbstätigen im Jahr 2013 ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen konnten. 417.000 verzichteten auf ein angemessenes Heizen, und 538.000 sparten beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen.
Für rund jeden zweiten Betroffenen (1,5 Millionen) sei bereits ein einwöchiger Urlaubsaufenthalt im Jahr nicht bezahlbar gewesen. Fast 600.000 Betroffene hätten sich kein eigenes Auto leisten können.

Quelle: tagesschau.de


10 Jahre Hartz IV

30. Dezember 2014

Man kann die Bilanz zehn Jahre nach Einführung von Hartz IV so lesen: Seit 2005 ist die Zahl der Arbeitslosen von beinahe fünf Millionen auf weniger als drei Millionen gesunken. Die Zahl der arbeitslosen ALG-II-Empfänger hat sich im gleichen Zeitraum von etwa 2,8 Millionen auf knapp 2 Millionen verringert. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt Ende 2014 erstmals auf mehr als 43 Millionen. Deutschland hat die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. – Hartz IV, ein Jobwunder.

Man kann die Statistiken aber auch so lesen: Immer noch sind mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland auf Hartz IV angewiesen, das sind 9,5 Prozent der Bevölkerung. Die Kinderarmut hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Jeder dritte Arbeitslose ist ein Langzeitarbeitsloser. Jeder zweite ALG-II-Empfänger bezieht die staatliche Hilfe schon seit mehr als vier Jahren. – Armutsfalle Hartz IV.

Auf tagesschau.de wird en Detail aufgeschlüsselt, wie sich die Zahl der Erwerbslosen in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wie viele Sanktionen ausgesprochen wurden, usw.

Einen guten Überblick über 10 Jahre Hartz IV gibt auch der Artikel von Lars Niggemeyer im DGB-Magazin Gegenblende.