2 Millionen Kinder arm

Jedes fünfte Kind im Osten ist arm, denn Ostdeutschland ist besonders betroffen: Dort ist die Quote zwar gesunken – von 24 Prozent im Jahr 2011 auf jetzt 21,6 Prozent. Doch das bedeutet weiterhin, dass mehr als jedes fünfte Kind dort auf staatliche Unterstützung angewiesen ist. In Westdeutschland stieg die Zahl der armen Kinder leicht an, auf jetzt 13,2 Prozent.

Kluft zwischen Ost und West und Stadt und Land
14,7 Prozent der unter 18-Jährigen sind im Bundesdurchschnitt auf Hartz IV angewiesen. Doch es gibt nicht nur eine Kluft zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Stadt und Land. Die höchsten Armutsquoten bei den unter 18-Jährigen gibt es in Städten. Trauriger Spitzenreiter: Bremerhaven mit 40,5 Prozent – das heißt, zwei von fünf Kindern in dieser Stadt wachsen unterhalb oder an der Armutsgrenze auf. Nicht viel besser ist es in Gelsenkirchen (38,5 Prozent) und Offenbach (34,5 Prozent), Halle (33,4 Prozent) und Essen (32,2 Prozent).

Ökonomisch und sozial isoliert
Besonders betroffen sind Kinder in zwei Familienkonstellationen: Von allen Minderjährigen in staatlicher Grundsicherung leben die Hälfte bei Alleinerziehenden und 36 Prozent in Familien mit drei oder mehr Kindern. Arme Kinder sind oft ausgeschlossen vom normalen Lebensstandard, sie werden schon früh aus den Lebensbereichen Bildung, Kultur und Sport ausgegrenzt. Je länger Kinder in Armut leben, desto schlechter stehen also ihre Chancen: Sie haben oft kein eigenes Kinderzimmer, keinen Ort für Schularbeiten, essen kaum oder gar kein Obst und Gemüse. Nur 60 von 247 Kindern gehen zurzeit mittags zum Schulessen.

Im Vergleich mit Kindern in gesicherten Einkommensverhältnissen sind arme Kinder häufiger sozial isoliert. Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung: „Diese Kinder laden keine Freunde zu sich nach Hause ein, weil sie dort keinen Rückzugsort haben. Sie können oftmals nicht an Schulausflügen teilnehmen oder im Sportverein aktiv sein. Dadurch haben sie immer weniger Kontakte zu Gleichaltrigen in ihrer Freizeit.“

> Quelle: tagesschau.de

Mehr Leiharbeit

Mit 961.000 Leiharbeitnehmern hat es in Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand gegeben. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei.

2014 waren es noch rund 50.000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger als 2015. Das mittlere Bruttogehalt von Leiharbeitnehmern lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro – deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. „Im Vergleich dazu lag das Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2960 Euro“, so die Regierung.

5,7 Prozent der Leiharbeiter stocken mit Hartz IV auf
Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger.

Die Domäne der Leiharbeit ist der Maschinen- und Fahrzeugbau. Insgesamt beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte gemessen an allen Leiharbeitern. Allein im Maschinenbau sind elf Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau zehn Prozent.

Quelle: tagesschau.de

Später, länger + mehr arbeiten

In den Medien werden wir regelmäßig mit Erfolgsmeldungen über sinkende Arbeitslosen- und steigende Beschäftigungszahlen bombardiert. Wie die Realität hinter dieser unreflektierten Heile-Arbeitswelt-Darstellung aussieht, zeigt eine Meldung der tagesschau:

Arbeitnehmer sind hierzulande immer länger und immer häufiger auch am Wochenende oder abends im Einsatz. Die Zahl der Beschäftigten, die regelmäßig länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten, stieg in den vergangenen 20 Jahren um gut 30 Prozent auf 1,7 Millionen im Jahr 2015. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.

Überlange Arbeitszeiten

Im Jahr 1995 hatten 1,3 Millionen Arbeitnehmer überlange Arbeitszeiten; im vergangenen Jahr waren es 1,7 Millionen und damit 4,8 Prozent der abhängig Beschäftigten. Etwa jeder vierte Arbeitnehmer muss demnach am Wochenende ran. 2015 arbeiteten 8,8 Millionen abhängig Beschäftigte „ständig“ oder „regelmäßig“ am Wochenende. Frauen sind dabei etwas häufiger betroffen als Männer.

Abend-, Nacht- und Schichtarbeit

Während 1996 nur 15,6 Prozent der abhängig Beschäftigten häufig abends arbeiten mussten, lag der Anteil den Zahlen zufolge im Jahr 2015 mit knapp 8,8 Millionen Betroffenen bei mehr als 24 Prozent. Nachtarbeit mussten demnach 2015 knapp 3,3 Millionen und damit gut neun Prozent der Beschäftigten leisten – 1995 waren es noch 7,6 Prozent.

Die Schichtarbeit nahm ebenfalls zu. Im Schichtdienst arbeitet demnach aktuell etwas mehr als jeder Sechste, 20 Jahre zuvor dagegen nur gut jeder Achte. 1995 waren es demnach 3,8 Millionen Beschäftigte, im vergangenen Jahr 5,6 Millionen.