Armut steigt weiter

20. Februar 2015

Von 2012 bis 2013 ist die Armut laut aktuellem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands um 0,5 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent der Bevölkerung gestiegen. Dies entspreche mehr als 12,5 Millionen Menschen. Die Statistik zeige einen klaren Trend zur Armutsverschärfung: Seit 2006 ist sie bundesweit um mehr als ein Zehntel gestiegen.

In den einzelnen Bundesländern fällt die Armutsquote unterschiedlich aus. In Bayern und Baden-Württemberg ist sie mit 11,3, bzw. 11,4 Prozent am geringsten. In Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin liegen die Quoten hingegen deutlich über 20 Prozent.

Bei der Berechnung der Armutsquoten werden im Bericht, wie in der EU üblich, Personen in Haushalten gezählt, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland beträgt. 2013 lag die so errechnete Armutsgefährdungsschwelle für einen Singlehaushalt bei 892 Euro.

Den kompletten Armutsbericht gibt es hier als pdf-Datei.

Quelle: tagesschau.de


3 Millionen arm trotz Arbeit

24. Januar 2015

Immer mehr Erwerbstätige können laut Statistischem Bundesamt kaum von ihrem Einkommen leben. Ende 2013 bezogen rund 3,1 Millionen von ihnen ein Einkommen, das unterhalb der Schwelle liegt, bei der offiziell die Armutsgefährdung beginnt. Im Jahr 2013 lag diese Grenze bei 979 Euro netto pro Monat für Alleinstehende und bei 2056 Euro im Monat für eine vierköpfige Familie.

Demnach ergaben Haushaltsbefragungen, dass 379.000 der armutsgefährdeten Erwerbstätigen im Jahr 2013 ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen konnten. 417.000 verzichteten auf ein angemessenes Heizen, und 538.000 sparten beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen.
Für rund jeden zweiten Betroffenen (1,5 Millionen) sei bereits ein einwöchiger Urlaubsaufenthalt im Jahr nicht bezahlbar gewesen. Fast 600.000 Betroffene hätten sich kein eigenes Auto leisten können.

Quelle: tagesschau.de


10 Jahre Hartz IV

30. Dezember 2014

Man kann die Bilanz zehn Jahre nach Einführung von Hartz IV so lesen: Seit 2005 ist die Zahl der Arbeitslosen von beinahe fünf Millionen auf weniger als drei Millionen gesunken. Die Zahl der arbeitslosen ALG-II-Empfänger hat sich im gleichen Zeitraum von etwa 2,8 Millionen auf knapp 2 Millionen verringert. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt Ende 2014 erstmals auf mehr als 43 Millionen. Deutschland hat die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. – Hartz IV, ein Jobwunder.

Man kann die Statistiken aber auch so lesen: Immer noch sind mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland auf Hartz IV angewiesen, das sind 9,5 Prozent der Bevölkerung. Die Kinderarmut hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Jeder dritte Arbeitslose ist ein Langzeitarbeitsloser. Jeder zweite ALG-II-Empfänger bezieht die staatliche Hilfe schon seit mehr als vier Jahren. – Armutsfalle Hartz IV.

Auf tagesschau.de wird en Detail aufgeschlüsselt, wie sich die Zahl der Erwerbslosen in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wie viele Sanktionen ausgesprochen wurden, usw.

Einen guten Überblick über 10 Jahre Hartz IV gibt auch der Artikel von Lars Niggemeyer im DGB-Magazin Gegenblende.


Keine Abwrackprämie für Kühlschränke

11. Dezember 2014

Hartz IV-Bezieher an der Bergstraße bekommen keine Abwrackprämie für ausgediente Kühlschränke. Eine entsprechende Initiative von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte eine solche Prämie auch für Bezieher von Sozialhilfe und Wohngeld vorgesehen.

Schon die Idee, die dahinter steckt, ist nach unserer Ansicht ein Paradebeispiel für realitätsferne Politik. 150 Euro bekommt man, wenn man einen mehr als zehn Jahre alten Kühlschrank entsorgt und statt dessen einen energieeffizienten A+++-Kühlschrank oder eine entsprechende Kühl-Gefrier-Kombi kauft. Leider kosten A+++-Geräte um die 300 Euro und mehr. Von welchem Geld ein Erwerbsloser die fehlenden 150 Euro finanzieren sollen, bleibt bei einem Regelsatz von 391 Euro im Monat, der auch so kaum zu Leben reicht, das Geheimnis der Ministerin.

Solch komplizierte Rechenaufgaben bleiben den Erwerbslosen an der Bergstraße aber ohnehin erspart, denn man kann die 150 Euro Zuschuss nicht einfach unbürokratisch beim Jobcenter beantragen, indem man per Kaufbeleg nachweist, dass der alte Kühlschrank älter als 10 Jahre ist und der neue A+++-Qualität besitzt. Weil Erwerbslose grundsätzlich unter Missbrauchs-Verdacht stehen, braucht man einen Träger, der die Umtausch-Maßnahme überwacht.

Andernorts ist diese Überwachung in die Qualifizierungs-Maßnahme „Stromspar-Coach“ eingebunden. Die wurde an der Bergstraße eingestellt. Damit gibt es  hier im Gegensatz zu anderen Orten auch keine Unterstützung für Erwerbslose, wenn sie ihren alten Stromfresser gegen einen energiesparenden Kühlschrank umtauschen möchten. Schade, denn rund 100 Euro hätte man damit jährlich an Stromkosten sparen können, und gut für die Umwelt wäre es auch gewesen.


Kluft zwischen Arm und Reich wächst

9. Dezember 2014

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge heute größer als vor 30 Jahren. Verdienten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung Mitte der 1980er-Jahre fünf Mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent, liege das Verhältnis heute bei 7:1, hieß es in einem Arbeitspapier.

In den anderen OECD-Staaten war die Entwicklung laut der Untersuchung ähnlich: Mitte der 1980er-Jahre verdiente das reichste Zehntel der Bevölkerung sieben Mal so viel wie das ärmste. Heute liege das Verhältnis bei 9,5 zu eins.

Zur OECD gehören 34 Länder, in erster Linie Industriestaaten. Generalsekretär Angel Gurria. “Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken.”

Quelle: tagesschau.de


Immer mehr Hartz IV-Bezieher

2. Dezember 2014

In Deutschland steigt die Zahl der hilfebedürftigen Menschen, die auf Hartz IV oder Sozialhilfe angewiesen sind, weiter an. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Ende 2013 bezog bereits jeder 11. Einwohner Deutschlands Sozialleistungen. Das entspricht einer Zunahme von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In einigen Städten ist die Quote noch höher. So leben in Berlin knapp 20 Prozent der Bevölkerung – also jeder fünfte Einwohner – von Leistungen nach SGB II oder SGB XII. Insgesamt waren Ende des vergangenen Jahres 7,4 Millionen Menschen auf Sozialleistungen angewiesen, das sind 9,1 Prozent der Bevölkerung. Insgesamt bezogen 6.041.123 Personen Leistungen nach SGB II.

Senioren, deren Rente nicht zum Leben ausreicht, haben Anspruch auf die Grundsicherung im Alter. 962.187 Senioren oder Frührentner mit geringen Renten erhielten 2013 im Schnitt 451 Euro monatlich. Nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige, die noch nicht das 65 Lebensjahr erreicht haben, können in Deutschland Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Im vergangenen Jahr bezogen 12.2376 kranke, pflegebedürftige oder nicht erwerbsfähige Personen Sozialhilfe.

Quelle: gegen-hartz.de


Jobcenter muss Nachilfe finanzieren

28. Oktober 2014

An der Bergstraße hat der “Verein Integration durch Bildung” (VIB) gegen einen negativ beschiedenen Antrag auf außerschulische Lernförderung erfolgreich Widerspruch eingelegt. Das Darmstädter Sozialgericht regelte den Fall in einem Vergleich. Die polnische Mutter eines Grundschulkindes mit Förderbedarf in Rechtschreibung hatte sich an den Verein gewandt. Ergebnis: Der Eigenbetrieb “Neue Wege” im Kreis Bergstraße muss 75 Prozent der Nachhilfekosten übernehmen, und zwar vorerst ohne zeitliche Beschränkung.

Alles weitere findet ihr in diesem Artikel (hier als pdf) des Bergsträßer Anzeigers vom 10.10.2014.