Bundesrechnungshof kritisiert 1-Eurojobs

Der Bundesrechnungshof hat in einem internen Bericht eklatante Mängel im Hartz-IV-System angeprangert. Die Vergabe von Ein-Euro-Jobs durch die Jobcenter würden in der Mehrzahl der Fälle die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt nicht erhöhen, heißt es in der Untersuchung, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt.

Danach würden bei mehr als der Hälfte der geprüften Fälle die Voraussetzungen für eine staatliche Förderung fehlen. Außerdem wird kritisiert, dass Jobcenter nach wie vor meist wahllos Arbeitsgelegenheiten zuwiesen, ohne weiter zu beraten und individuelle Ziele für die Teilnahme festzulegen. Die Rechnungsprüfer bemängelten weiter, dass die Jobcenter bei der Schaffung von Arbeitsgelegenheiten ihre Tätigkeit seit 2005 nicht merklich verbessert hätten.

Ein-Euro-Jobs sollen auf keinen Fall dazu führen, dass dadurch normal beschäftigte Arbeitnehmer ihre Stelle verlieren. Da aber die Jobcenter diese Voraussetzungen nicht ausreichend prüften, könnten Kommunen, Wohlfahrtsverbände oder Unternehmen aus der Weiterbildungsbranche „ungeförderte Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt durch öffentlich geförderte Beschäftigung ersetzen und so ihre Personalkosten reduzieren“, zitiert die „SZ“ den Bericht.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren 2009 im Schnitt 320.000 Menschen in geförderten Arbeitsgelegenheiten beschäftigt. In 280.000 Fällen handelt es sich um Ein-Euro-Jobs. Die Kosten dafür bezifferte die BA auf 1,7 Milliarden Euro.

2 Kommentare zu „Bundesrechnungshof kritisiert 1-Eurojobs“

  1. Pingback: Nics Bloghaus II
  2. Na ist doch logisch, dass der Gedanke daran, jemanden als 1-Euro-Jobber zu beschäftigen schnell Begehrlichkeiten weckt. Da wird schnell mal ein Bühnenarbeiter im Theater oder eine Bürokraft in einer Schule oder ein Regal-Auffüller in einer Lebensmittelkette ersetzt (alles Tatsachen) aber das Beste kommt erst noch: Der Betrieb, die Firma, die Schule, das Theater, das Altenheim bekommen sogar noch Geld dafür, dass sie diese „Stelle“ schaffen. Wenn das kein Luxus ist: Kostenlose Arbeitskraft und im Gegenteil, sogar noch kassieren dafür. Eine 1-Euro-Stelle kostet also den Steuerzahler mehr Geld, als wenn der Arbeitslose nicht arbeiten gehen würde. Das ist pervers in meinen Augen. Und ich kenne niemanden, der durch eine 1-Euro-Stelle in ein festes Vertragsverhältnis gekommen ist, im Gegenteil, aufgrund der völlig idiotischen Konstellation dieser 1-Euro-Stellen versuchen die Firmen, den Arbeitslosen möglichst lange in dieser Stellung zu halten. Ich kenne einige Beispiele, eines aus Mannheim, wo eine Bekannte seit 6(!) Jahren durchgehend 1-Euro-Jobs ausübt, die üblicherweise nur max. 6 Monate dauern sollten. Sie arbeitet in einem Mannheimer Restaurant, etwas außerhalb, im Industriegebiet. Das ist wirklich beschämend. Die jahrelange Traktion mit 1-Euro-Stellen hat Wirkung gezeigt: Wenn ich mit ihr spreche, dann sehe ich kein bisschen Selbstbewusstsein mehr. Sie ist sehr nett, aber traut sich gar nichts mehr zu, hält sich selbst für „einfach“. Stattdessen putzt sie die Küche, von früh bis spät. Und dann fängt sie wieder von vorne an. Ich würde sagen, das ist alles etwas zu sauber. Aber offensichtlich hat sie gelernt, dass das, das Einzige ist, was sie kann. Sie wirkte auf mich, als ob sie gar nicht mehr in der Lage wäre, noch was Anderes zu machen. Hier hat man es meiner Meinung nach wohl geschafft, einen Menschen sämtlicher Hoffnungen zu berauben. Sie wurde durch diese Maßnahmen nicht aufgebaut oder unterstützt, sondern sukzessive ausgenutzt und verarscht. Da braucht man gar nicht nach Indien zu fliegen, zu den Kinder-Näherinnen von KIK, H&M, C&A und Co…. das findet man im Prinzip bereits jetzt in Deutschland. Auch hier werden Menschen Ihrer Perspektive beraubt und haben praktisch nie mehr eine Chance, aus der H4-Kaste herauszukommen und einen finanziellen Aufstieg zu erfahren, denn sie sind dazu verdammt, ein vorbestimmtes Leben zu führen, welches der Gnade der verwaltenden Behörden unterliegt. Ist dir dein Sachbearbeiter wohlgesonnen, dann wird er dich versuchen aufzubauen, dich bei deiner Stellensuche unterstützen. Mag er dich aber nicht leiden, dann wirst du in eine endlose Welle von falschen Bescheiden, von ungerechtfertigten Kürzungen und Sanktionen verwickelt, du wirst in Bewerbermaßnahmen gesteckt, bei denen du lernst, wie eine Mouse funktioniert und wie man einen PC hochfährt (Toll!) und du wirst lernen, wie man einen Browser bedient (Wahnsinn!), du wirst dich amtsarztlichen Untersuchungen stellen müssen und jeden Cent erklären müssen, der auf deinem Konto eingeht. Das System Hartz IV ist mehr als marode, es gehört abgeschafft! Seit langem, denn es hat sich weder anfangs noch heute bewährt. Es ist aufgrund der zusätzlichen Maßnahmen sehr sehr teuer, nicht aufgrund dessen, was dem Einzelnen ausbezahlt wird, sondern aufgrund der Kosten, die für 1-Euro-Stellen geschaffen wurden, die Kosten für sogenannte „Bewerbertrainings“, für Coachings, für Firmen Zuschüsse zum Lohn, Arbeitsvermittlergebühren, sogenannte Wiedereingliederungsmaßnahmen usw. usw. das Alles ist eine Millionenindustrie und kostet den Steuerzahler weit mehr, als die bloße Ausbezahlung von Sozialleistungen. Das Mehrfache eigentlich. Das ist das, was ich mich die ganze Zeit selbst frage: Wieso zahlt der Staat ZUSÄTZLICH zum H4 noch mehrere hundert Euro für eine 1-Euro-Stelle ? Nur damit der Arbeitslose aus der Statistik rausfliegt ? JA! Tatsächlich, es ist so! Denn ein 1-Euro-Job bringt niemanden wirklich ins Arbeitsleben, das ist einfach Fakt. Und es nenne mir jemand jemanden, der es dank seines 1-Euro-Jobs in ein festes Beschäftigungsverhältniss geschafft hat ? Fehlanzeige! Sowas gibts halt nicht, trotzdem macht man weiter mit dieser Farce und das obwohl mehrere Gutachten, unter anderem auch das für die Bundesarbeitsagentur dies mehr als eindeutig belegt haben. Hier werden nicht nur H4 Empfänger veräppelt, hier wird auch der Steuerzahler verarscht, weil er für Leistungen doppelt bezahlt, die nie etwas bringen, sondern nur der teuren Verwaltung dienen, die sich selbst gerne am Leben erhält. Warum werden eigentlich die Maßnahmen der Arbeitsagenturen und der sogenannten Arbeitsgemeinschaften nicht einmal auf den Prüfstand gestellt ? Warum gibt es keine Kontrollinstanz, die den Mitarbeitern der ARGE’n auf die Finger schaut und vor dem Steuerzahler erklärt, warum diese oder jene Millionen-schwere Maßnahme nun unbedingt notwenidig ist und wieder Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus hilft ? Das scheint in Deutschland niemand zu überprüfen. Diese Behörden verrichten offensichtlich ungesehen ihren Dienst, obwohl ihre Arbeit Millionen bis Milliarden Euro verschlingt ? Hat jemand mal darüber nachgedacht ?

Kommentar abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s