Aktion gegen Motivationstraining

Am 29. August haben wir mit der Gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiative Darmstadt (GALIDA) eine Aktion vor der Darmstädter Arbeitsagentur durchgeführt. Sie richtet sich gegen ein unserer Meinung nach sinnloses Motivationstraining. Dazu hat die Arbeitsagentur einen Berliner Motivationstrainer für teures Geld eingekauft, um den Erwerbslosen fünf Wochen lang einzutrichtern, dass ihre Arbeitslosigkeit nicht an fehlenden Jobs, sondern an ihrer fehlenden Einstellung liegt.

aktion-motivationstraining

> Redebeitrag der GALIDA als pdf.
> Redebeitrag von Andere Wege als pdf.
> Ein Kurzbericht der Hessenschau.
> Artikel aus dem Darmstädter Echo über die Aktion als pdf.
> Bilder zur Aktion auf der GALIDA-Website.
> Und hier ein HR4-Interview mit einem Kursteilnehmer:

 

6 Kommentare zu „Aktion gegen Motivationstraining“

  1. Motivationstraining ist sicherlich nicht für jedermann geeignet. Aber es kann funktionieren. Daher finde ich es schade, dass immer wieder nur die Hemmnisse aufgezählt werden und die Gesamtsituation in Deutschland bemüht wird. Offenbar hatten aber auch die Aktionsteilnehmer ein Motivationsproblem, außer Pressevertretern und führenden Berufsarbeitslosen war fast niemand (außer Passanten) erschienen.

    1. Stimmt, Motivationstraining kann als Teil einer Maßnahme durchaus Sinn machen – aber nicht fünf Wochen lang ausschließlich.

      Und die an der Aktion teilnehmenden Erwerbslosen diskriminierend in „Berufsarbeitslose“ und „Passanten“ zu teilen zeigt, dass es für dich anscheinend schwer erträglich ist, wenn Betroffene sich wehren und ihre Sache selbst in die Hand nehmen, statt auf den Motivationstrainer zu warten.

  2. Ich glaube es nicht, 5 Wochen Motivationstraining? Das ist Psychofolter! Was soll das denn? Das macht auch keinen Sinn, ein gutes Motivationstraining dauert 4 bis maximal 40 Stunden. Alles andere ist nicht seriös, Das grenzt an Gehirnwäsche, vermutlich wurde da neurolinguistische Programmierung eingesetzt – oder ein ähnliches Tschakka-System. Die Teilnahme muss freiwillig sein, das wir jeder seriöse Trainer auch einfordern.

  3. Nur mal eine kleine aktuelle Info. Ich habe mal nachgefragt: Es gab 15 Teilnehmer, 12 haben die Maßnahme abgeschlossen. 3 davon sind jetzt in einer versicherungspflichtigen Tätigkeit. Eine hat zumindest einen 450 Euro Job aufgenommen. Ich finde das ist keine schlechte Quote. Ob das jetzt allein dem Motivationstraining geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen. In der Auswertung wird das sicherlich so dargestellt werden. Meines Wissens wurde niemand zu der Maßnahme gezwungen, es wurde sogar darauf hingewiesen, dass keine Sanktionen zu befürchten sind, wenn keine Teilnahme erfolgt.
    Vielleicht sollte man mal über den Tellerrand schauen und der Aktion eine zweite Chance geben. Wenn sich die Zahlen validieren lassen, ist es zumindest ein brauchbares zusätzliches Angebot.

  4. Tja, so ist das: Ein paar Leute werden vermittelt. Ob´s an der Maßnahme lag, oder nicht – man weiß es nicht. Und genau so ist Hartz IV insgesamt: Ein paar Leute werden vermittelt. Ob die auch ohne die Schikanen von Hartz IV vermittelt worden wären, oder nicht – man weiß es nicht.

    Davon abgesehen: 3 von 15. Tolle Quote…

    Nochmal: Wir kritisieren nicht, dass Menschen dazu motiviert werden, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Wir kritisieren, dass den Leuten eingetrichtert wird, dass ihre Erwerbslosigkeit ihre eigene Schuld ist. Dass es angeblich nicht an fehlenden Stellen, sondern an fehlender Motivation liegt. (Und mit fehlenden Stellen meinen wir Jobs, von denen man leben kann.)

  5. So ganz lässt sich wohl der Bezug zu der Maßnahme nicht abstreiten, die Quote finde ich jetzt mal gar nicht so schlecht 3 (4) von 12 lässt sich doch sehen. Finanziell hat es sich auf jeden Fall gelohnt – sofern die Menschen langfristig aus der Abhängigkeit von Hartz IV bleiben. Ich glaube auch nicht, dass des Leuten während des Motivationstrainings irgendwelche Schuldzuweisungen eingetrichtert wurden – zumindest wäre das kontraproduktiv. So betrachtet erkenne ich auch keine Schikane (die Freiwilligkeit vorausgesetzt). Andere Menschen bezahlen sogar selbst für ein solches Training.
    Es ist schon sehr einfach, die Arbeitslosigkeit auf die Gesellschaft und das System zu schieben. Ich war auch schon zwei mal arbeitslos und habe dann Jobs angenommen, die unter meinem zuvorigen Gehaltsniveau lagen – einfach weil man sich aus jedem Job heraus besser bewerben kann. Aber das halte ich für einen Teil meiner Eigenverantwortung und Autonomität. Ich denke jede Tätigkeit, die eine höhere Vergütung als das Arbeitslosengeld erbringt (natürlich inklusive Miete etc.) ist zumutbar.

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